Gelungene Kommunikation in Beziehungen während Corona und Lockdown

Aktualisiert: März 21

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen man vielleicht sogar gezwungenermaßen viel Zeit zusammen verbringt, ist eine gelungene Kommunikation besonders wichtig.

Neben den körperlichen Symptomen bringt die aktuelle Situation um Corona auch viele Herausforderungen im psychischen und seelischen Bereich mit sich.

Einer der Hauptgründe, warum es so einen starken Zuwachs an häuslicher Gewalt und Streitigkeiten gibt, ist die nicht gelingende Kommunikation. Hierbei entstehen leider so viele Reibungspunkte, die nicht notwenig wären, wenn man nur Kleinigkeiten ändern würde.

Einer der Bereiche, der dabei besonders in den Vordergrund rückt, ist die Situation mit einer anderen Person unter einem Dach zu leben. Viele Menschen haben keine Möglichkeit, z.B. raus in den Garten oder in einen anderen Raum zu gehen, wenn einmal „dicke Luft“ herrscht.

Dieser Beitrag soll eine Hilfestellung für alle sein, die eventuell auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass durch übermäßig viel Zeit unter einem Dach, Situationen schnell eskalieren können.

Du findest hier Tipps, um den wichtigsten Teil der zwischenmenschlichen Beziehung, die Kommunikation, in Zukunft so gestallten zu können, dass die Eskalationen weniger und die Qualität der Beziehung im Allgemeinen besser wird.

Tipp: Ich - Botschaften senden

Vielleicht kommen dem Einen oder Anderen diese oder ähnliche Sätze bekannt vor.

  • „Du lässt jedes Mal deine dreckigen Socken liegen!!“

  • „Du leidest doch unter einem Putzzwang!“

  • „Du bemühst dich doch schon länger nicht mehr so, wie am Anfang unserer Beziehung!“

Alle diese Aussagen haben drei Dinge gemeinsam:

  1. Sie sind DU Botschaften und bergen dadurch ein ungeheures Potential, beim Anderen verletzend zu wirken.

  2. Sie spiegeln sehr oft nicht die Wahrheit wieder, sondern eine verzerrte, subjektive Sicht auf die Dinge.

  3. Sie beinhalten einen Wunsch von dem demjenigen, der den Satz ausspricht.

„ Jede DU Botschaft, die etwas Negatives beinhaltet, wirkt wie ein Pfeil, mit dem wir auf den anderen zielen.“

Um in Zukunft weniger Streit und Eskalationen in der Beziehung zu erleben, empfehle ich dir, ICH Botschaften zu senden.


Dabei kannst du dich an folgender Struktur orientieren, welche ich durch das Beispiel von oben (dreckige Socken) zeigen möchte:

Ich nehme wahr, dass in den letzten Tagen dreckige Socken in der Wohnung liegen. Ich verstehe, dass man manchmal gerne sein Gewand einfach ablegt wenn man nach Hause kommt und dann später vielleicht vergisst es wegzuräumen. Ich wünsche mir gleichzeitig, dass wir beide es ordentlich in der Wohnung haben und du mich dabei unterstützt, indem du die genutzten Socken direkt in die Wäsche wirfst.

Struktur:

  1. Es ist bedeutsam, dem anderen die Möglichkeit zu geben, zu verstehen was man wahrnimmt. Anstatt zu sagen: „ Du räumst nie deine dreckigen Socken weg!“ ist es für dich selbst und den anderen viel angenehmer, einfach zu sagen was du wahrnimmst: „Ich nehme wahr, dass in den letzten Tagen öfters…“

  2. Sich in die Lage des anderen versetzen. Was könnte der (positive) Grund sein, dass der andere die Socken liegen lässt? ( Müdigkeit, Gefühl von hier bin ich zuhause, etc.) Diese Einsicht dem anderen mitteilen und Verständnis dafür zeigen. Dadurch fühlt sich der andere abgeholt und nicht angegriffen.

  3. Den eigenen (positiven) Wunsch hinter der ursprünglichen Kritik erkennen. Warum ist mir das eigentlich so wichtig, dass der andere seine Socken wegräumt? ( z.B. ich fühle mich dadurch beachtet, wertgeschätzt, etc.) Dem anderen dieses Bedürfnis mitteilen und dadurch die Möglichkeit geben, in Zukunft darauf zu reagieren und eingehen zu können.

Mit ist klar, dass sich diese Struktur am Anfang fremd und ungewohnt, vielleicht sogar gekünstelt anfühlt. Allerdings ist das ganz normal, denn es ist etwas Neues. Immer wenn wir etwas Neues lernen und probieren fühlt es sich am Anfang ungewohnt an. Denk z.B. mal an das Autofahren und die erste Stunde in der Fahrschule. Heute hingegen fährst du ohne Probleme mit dem Auto und musst nicht viel darüber nachdenken.

Es zahlt sich wirklich aus, in dieser Art mit dem/der Partner/Partnerin zu kommunizieren. Eure Beziehung wird es euch danken und ein weiterer Vorteil ist, dass man sich dadurch noch besser kennenlernt und auf Wünsche des anderen eingehen kann.

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